Bericht und Fotos von Therese B.
Und deren gibt es viele, leben kann man sie auf vielfältige Art und Weise. Wir entscheiden uns zum Kauf eines Defenders 110, bauen den zum „Wohnmobil" um und wollen damit die Welt bereisen. Ein Ziel auf unserer Liste ist die Wüste. Im Sommer 2009 lesen wir im Internet von der geplanten Weihnachtsreise des Sahara-Teams und wir wollen dabei sein.
Am 19. November treffen wir uns mit Regi, Chrigi und den anderenTeilnehmern zum Info-Abend in Wallisellen und entscheiden uns nach kurzer Diskussion, das Abenteuer Algerien anzupacken. Ungeduldig warten wir auf das Visum, kommt auch jetzt im letzten Moment wieder das Aus wie schon zweimal in den vergangenen Jahren? Nein, wir fahren am 19. Dezember. Alle freuen uns auf die kommenden Wochen und wir haben sicher ganz unterschiedliche Erwartungen an diese Reise. Schon auf der Fähre beginnt der Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Fritz und ich als Newcomer saugen die Informationen und Ratschläge nur so auf. Alle übrigen Teilnehmer haben Wüstenerfahrung.
Das war nur ein Kommentar von Freunden. Wir erwarten schon etwas mehr von unserer Reise: Ruhe, Weite, Licht und Farben, eine Nacht im Freien, nur den unendlichen Sternenhimmel über uns..
Zuerst aber mussten wir über die algerische Grenze und die sehr, sehr lange Fahrt in den Süden von Algerien hinter uns bringen. Die Tage dort zwischen Illizi, Afara, Erg Tihodaine, Amadror, Erg Admer und Djanet abseits der Strasse sollen uns die wirkliche, abgeschiedene Wüste näher bringen. So rasten wir über Teerstrassen, holperten über Löcher mit etwas Teer dazwischen, passierten einen Kreisel im Uhrzeigersinn, um einem Konvoi von Schwertransporten auszuweichen. Wir kamen durch Städte, umgeben von Abfallbergen und Orte, die aus einer Tankstelle und ein paar Containern bestehen. Mohammed schleuste uns mit seinen vorbereiteten Teilnehmer- und Fahrzeuglisten schnell und unkompliziert durch die vielen Polizei- und Militärkontrollen. Viele Lastwagenfahrer gaben uns Lichtsignale und winkten uns freundlich zu. Die Landschaft veränderte sich dauernd. Manchmal wähnten wir uns auf dem Mond und dann wieder irgendwo im mittleren Westen. Ueber weite Strecken begleiten uns links und rechts am Horizont Sanddünen. Hinter den Abrissen windet sich die Strasse weiter durch eine riesige Ebene, durchzogen von Furchen und Gräben.
Und dann endlich, am Nachmittag des 24. Dezember, verlassen wir die Strasse und die Lastwagen und winden uns auf einer neu erstellten Piste hinunter ins Wadi Aharahar. Ein wunderschönes, enges Tal mit schroffen Hängen, die sich in der Abendsonne rot färben. In Mitten blühender Oleander, Palmen und Tamarisken neben einem kleinen Teich (Guelta) schlagen wir unser Nachtlager auf, ein schöner Ort um Weihnachten zu feiern. In der Nacht schreit ein Kojote. Wir stören ihn wahrscheinlich auf seiner Suche nach Futter. Wir begegnen in den schattigen kleinen Ansiedlungen einigen Bewohnern, die mit Ziegen durch das Tal streifen. Einige der Häuser sind in den Fels gebaut wie Indianer-Siedlungen im Westen der USA. Dann öffnet sich das Tal und wir stehen von einer ganz anderen Kulisse. Dunkelbraune Felsen liegen umspült von hellem, feinen Sand vor uns. Dazwischen Bäume und Grassbüschel, die einer grossen Kamelherde genügend Nahrung bieten. Gespaltene Böden zeigen, dass hier kürzlich noch Wasser gelegen hat. Die Weite beeindruckt uns. Sand, Felsen, kleine Dünen. Ebenen, wie ein Meer mit ganz glatter Oberfläche, dann wieder mit Wellen, einmal ganz eng, einmal weiter. Es tut fast weh, in dieser unberührten Welt unsere Reifenspuren zu hinterlassen.
Spuren gib es viele. Wir finden sie am Morgen in der Nähe unseres Lagers, aber ausser ein paar Vögeln nie die Tiere dazu. Die kleinen Wüstenbewohner machen sich in der Nacht auf Futtersuche und finden wohl hie und da auch einen Rest unserer Mahlzeiten. Spuren haben auch vor vielen Tausend Jahren die Menschen in dieser Umgebung hinterlassen. In Höhlen über dem Tal finden wir Felsmalereien, recht gut erhalten, und unten fliehen ein paar Wildesel. Vertiefungen in den Bodenplatten zeugen vom mühsamen Mahlen von Getreide in der Vergangenheit. Unsere Rad- und Fussspuren werden bald wieder verschwunden sein, nicht so schnell das Steinmannli, das Jacky mit Sandra in der Ebene aufbaut. Wir finden Tonscherben, Spuren einer längst vergangenen Zivilisation in dieser Gegend, als es noch grüne Wiesen und Wasser gab.
Der Untergrund verändert sich dauernd. Jetzt ist die Oberfläche des Sandes nicht mehr fein sondern bedeckt mit 2 mm grossen runden Kieseln. Die Kamelspur lässt sich gut darin erkennen. Ein paar Kilometer weiter sind es dunkle, schwarze Steine, die den Sand bedecken und unsere Reifen ziehen eine helle Fahrspur durch die Ebene. Vereinzelte Gräser werden durch den Wind so durch den Sand geschleift, dass sich ein Kreis bildet. Bäume und Sträucher sterben ab, wir sammeln Holz fürs Nachtlager. Und dann plötzlich sind sie da, die Dünen von Erg Tihodaine. Und wir ziehen unsere Spuren hinein und hinauf. Fritz und ich ohne Dünenerfahrung müssen zuerst lernen, auf diesem Untergrund zu fahren. Mit Kraft und Schuss über den Kamm, in der Falllinie nach unten, nicht schräg zum Hang. Mir wird es unheimlich, ich steige oben aus.... Und Fritz hat in dieser ersten Dünennacht auch nicht so gut geschlafen!
Nach diesen ersten Dünen folgen zwei riesige Ebenen, in die wir unsere eigene Spur ziehen. Wir fahren rassig, es geht fast besser als auf den löchrigen Teerstrassen, und hinterlassen helle Linien im dunklen Grund. Immer wieder kommen wir durch Wadis mit Bäumen und Pflanzen, die den leider unsichtbaren Tieren Futter gewähren. Aber hie und da sehen wir in der Ferne eine Gruppe Kamele. Und es muss auch Menschen geben, wenigstens in der Nähe von Brunnen. Manchmal in der Nachmittagshitze meinen wir am Horizont einen See zu entdecken, die berühmten Fata-Morganas. Wir stellen uns vor, wie es wäre, zu Fuss, ohne Wasser. Wir hätten Stunden, wenn nicht Tage, um diese Ebenen zu durchqueren und fast wünsche ich mir, wir könnten etwas länger verweilen und die Eindrücke tiefer auf uns wirken lassen. Durch ein Feld mit spitzigen schwarzen Steinen fahren wir Richtung Krater und ein Teil der Gruppe macht sich zu Fuss auf die Besteigung. Auch hier wieder Spuren der Vergangenheit. Auf der Rückseite sehen wir an der Wand ein altes Schlüsselloch-Grab. Diese begegnen uns auch später in anderen Regionen immer wieder.
Für eine Weile folgen wir dann der Piste Tamanrasset - Djanet. So muss vor vielen Jahren auch die Piste von Nord nach Süd ausgesehen haben. Ein paar Spuren im Sand, markiert alle 100 Meter mit einem Steinhaufen, gut sichtbar von weitem, wenn nicht gerade ein Sandsturm tobt. Aber der war während unserer Reise nicht in der Gegend....
Unseren Weg nach Djanet wollten wir aber nicht auf dieser Piste zurücklegen sondern wir machten uns auf den Weg über die Dünen des Erg d'Admer. Und die Tage in den Dünen waren ein ganz besonderes Erlebnis. Der Wind als Baumeister oder Künstler tut hier täglich sein Werk und zaubert unheimlich schöne Formationen in die Gegend. Wir überfahren die Dünenkette, kommen auf eine Ebene und in der späten Nachmittagssonne steigen wir die zweite Reihe hoch. Natürlich geht es auch hier nicht immer im ersten Anlauf aber Chrigi findet uns immer einen Weg, wenn es auch hie und da eine Schaufel braucht. Es gab auch einen kritischen Moment, wo ein Teil der Gruppe unseren Fendi bereits auf der Seite liegen sah. Diesen Moment habe ich komischerweise im Auto aber nicht als kritisch empfunden, hatte mich also bereits zum coolen Dünenfahrer entwickelt! Der Sand verfärbt sich von hellbeige auf gelb und später fast orange.
Einmal mehr richten wir unser Nachtlager in den Dünen ein. Wunderbare Abendstimmungen begleiten uns auf der ganzen Reise. Kitschige Sonnenuntergänge lassen uns immer wieder zum Fotoapparat greifen. Vor oder nach dem Apéro besteigen wir noch schnell eine Düne und bewundern den Ausblick über Täler und Erhebungen in den verschiedensten Schattierungen. Etwas später steigt der Vollmond auf und spiegelt sich im Sandmeer. Taschenlampen erübrigen sich, wenn jemand das Lager mit der berühmten Schaufel verlässt. Aber das grösste ist wirklich der Sternenhimmel, wenn der Mond sich dann in der zweiten Nachthälfte verzogen hat. Vermeintliche Sternschnuppen entpuppen sich leider all zu oft als Flugzeuge, welche die Sahara in allen Richtungen überqueren. Dass diese trockene Sandwüste einmal ganz anders ausgesehen hat bezeugen die Reibschale, Tonscherben und im Kalk freigesetzte Muscheln, die wir auf unserer Fahrt durch den Erg d'Admer finden aber selbstverständlich liegen lassen.
Wir haben an ganz unterschiedlichen Wasserstellen angehalten. Bei Hassi Bel Guebbour tauchten wir kurz in eine warme Quelle ein, im Wadi Aharahar steht ein Brunnen mit Solar-Pannel, in der Afara-Ebene waschen die Frauen die Wäsche an einem langen Becken mit Wasserhahnen und auf der Amadror-Ebene steht ein Ziehbrunnen mit einem Windrad, das leider nicht mehr funktioniert. Wir zogen das Wasser mit dem Defender aus 60 m Tiefe. Wenn immer möglich, haben wir uns an diesen Brunnen die Haare gewaschen und dafür gesorgt, dass unsere verklebten und schweissigen Körper für eine kurze Weile wieder nach Zivilisation rochen. Daneben haben uns Mohammed und Abdu an kleine Wasserlöcher in den Felsen geführt. Hier wachsen dann auch violette, weisse und gelbe Blumen, die sich leuchtend vom grauen Sandgrund abheben.
Bevor wir uns durch das Tassili-Gebirge langsam wieder nach Norden orientieren, machen wir einen kurzen Halt in Djanet, wo wir uns mit Brot und Gemüse eindecken oder zur Abwechslung wieder einmal in einem Restaurant essen oder wenigsten einen Tee oder Kaffee trinken. Der Besuch des Marktes ist ebenfalls ein Erlebnis. Unglaublich, was in diesen Blechhütten alles angeboten wird, von DVD, Haushaltsartikeln, Schuhen und Kleidern bis hin zu den Souvenirs. Wir kaufen uns eine Teekanne für das offene Feuer, welche uns noch lange an diesen Ort erinnern wird. Es gibt in den Gassen antike Autos, welche bei uns schon längstens auf dem Autofriedhof gelandet wären. Hier tun sie nach wie vor ihren Dienst.
Der Abstecher durch das Tassili-Gebirge ist ein krönender Abschluss unserer Wüstenreise. Erneut fahren wir durch eine Landschaft mit dunkelbraunen Felsformationen, umspült von Sand und Steinen. Mit etwas Fantasie sehen wir in den verwitterten Formationen ein sich umarmendes Liebespaar oder s' Fraueli wo z'Märit geit. Hier in der Nähe von Djanet begegnen wir auch Touristen, welche die Wüste zu Fuss oder auf Kamelen entdecken. Der Sand und die Ebenen sind nicht mehr unberührt sondern von zahlreichen Spuren, meistens Reifen, durchsäht. Ein letztes Mal schlagen wir das Lager im Süden auf und geniessen nochmals die helle Vollmondnacht und im Schutze der Felsen eine der wärmeren Nächte.
Es war ein tolles Erlebnis, diese Wüstenreise. Nicht unwesentlich dabei war natürlich auch
Zuerst einmal Chrigi und Isi. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die Organisation dieser Wüstentour und für die Raclette-Pfännli, die wir postwendend eingeweiht haben. Viele Stunden über Landkarten und in Google-Earth waren notwendig, um den richtigen Weg durch dieses wunderbare Stück Erde zu finden. Es war uns Greenhörnern ein Trost, dass auch Chrigi die erste Nacht in den Dünen nicht voll durchgeschlafen hat. Mit seiner Erfahrung und einem gemeinsamen Schaufeleinsatz auf dem Kamm war die Weiterfahrt am nächsten Morgen dann aber kein wirkliches Problem.
Dani und sein Sohn Peter, der Jüngere selbstverständlich ganz versessen möglichst viel in Sand resp. in den Dünen zu fahren. Dani, der wunderbare Unterhalter und Geschichtenerzähler. Wenn immer wir in die Camps kamen war er dabei beim Apero und wir konnten viel von seinen Erfahrungen und Erzählungen mitnehmen. Von ihm haben wir auch - etwas zu spät, leider - gelernt, dass man ruhig eine Flasche Bier oder Wein mehr mitnehmen kann, nur gut versorgen im Auto für den Grenzübertritt nach Algerien!
Roland und sein Sohn Cyrill, alte Wüstenhasen. Cyrill, zwar noch nicht 18 aber bereits ein begnadeter Autofahrer. Wenn immer jemand stecken blieb oder Hilfe brauchte, war er da. Wie ein Wiesel ist er jeweils die Dünen rauf und runter gerannt. Er hat auch oft das Feuer unterhalten, unter gütiger Mithilfe eines mehr oder weniger geeigneten Samantas. Roli hat auf unserer Reise eine ganz besondere Rolle übernommen: Als Schlussfahrzeug war er auch verantwortlich für das „Wort zum Tag", Über Funk hat er uns das Wetter, Innen- und Aussentemperatur, Reifendruck, etc. übermittelt. Er könnte durchaus eine zweite Karriere starten bei Radio Zürichsee.
Sandra und Rainer mit ihrem neuen Auto, das natürlich auf Biegen und Brechen im Sand getestet werden musste und die Probe bestens bestanden hat. Lebensfreude pur mit einer kleinen Einschränkung. Pastis wurde auf der zweiten Reisehälfte von der Apéro-Liste verbannt. Und..„Give me five" hat sich definitiv in unserem Wortschatz etabliert.
Wir hatten keine grösseren Probleme mit unseren Fahrzeugen und erstaunlicherweise auch keinen platten Reifen. Aber mit Walter, unserem Techniker, hätten wir auch diese Probleme gelöst. Auf ihn konnten wir auf der ganzen Reise zählen, wenn ein Auto irgendein auffälliges Geräusch von sich gab. Schwups lag er unter dem Gefährt und die Reise konnte weitergehen. An Walter werden Einige der Wüstenbewohner noch länger denken, denn er hat Kinderkleider mitgebracht, die er mit Sandra grosszügig verteilt hat.
Jacky und Marc, die Geniesser und Perfektionisten, klar, wenn man Defender fährt! Tolles Auto, alles eingebaut, umgebaut, aufgebaut. Man könnte neidisch werden. Dazu kamen die Gala-Diners an Heiligabend und Silvester! Angerichtet und serviert mit gütiger Hilfe des Kellners Christian im schwarzen Anzug, weissen Hemd und Krawatte, Jacky im langen Schwarzen. Fackeln im Sand, Kerzen auf dem Tisch und über uns der unendliche Sternenhimmel. Dass dann am Lagerfeuer auch noch die Musik von Mohammed und seinen Kollegen aufspielte, machte den Jahreswechsel zu einem ganz speziellen Moment.
Cristian, genannt Grison. Angereist mit einer bösen Erkältung. Die war wohl auch schuld daran, dass er beim Auftanken nur die Reserve-Kanister gefüllt hat und dann unter Polizei-Eskorte (Spezialservice in Illizi) zur Tankstelle zurück musste. Aber erst nachdem sie ihn auch zu einer Garage begleitet hatten, damit er ein Ersatzteil für sein.... (was war es nur noch) kaufen konnte.
Fritz und Therese, die Unerfahrenen und ewig Fragenden. Der erste Dünentag war für mich stressig und ich bin öfters ausgestiegen. Aber es ist ja auch schön barfuss im Sand. Warum nur habe ich Wüstenstiefel gekauft? Direkte Falllinie, kein Schräghang, Chrigi hat es immer wieder erwähnt. Langsam haben wir es auch gelernt und sind glaub ich nur einmal fast gekippt. Für die kleinen Portionen bei unserem ersten Kocheinsatz möchten wir uns hier nochmals in aller Form entschuldigen, wir haben aber schnell dazu gelernt.
Und da waren noch unsere Führer, Mohammed und Abdu, die uns ohne Probleme durch alle Polizei-, Zoll- und/oder Militärkontrollen geschleust haben. Auf der Suche nach Gazellen hatten sie auf dieser Reise aber kein Glück. Uebernachtet haben sie immer im Freien auf einer Matte und mich dadurch ermutigt, die eine Nacht auch im Sand zu verbringen nur mit dem Sternenzelt als Dach über uns.
Es war eine schöne Zeit mit Euch. Jeder ist für die Gruppe eingestanden, keine Grabenkämpfe oder Unstimmigkeiten während der Fahrt oder in den Nachtlagern. Und last but not least: Gegessen (und getrunken) haben wir wie Fürsten. Ich freue mich auf unser Treffen im Frühling.
Die Wüste: Sand und Stein, nach 5 Minuten gesehen? Definitiv nicht aber geh hin und schau es Dir selber an. Es lohnt sich!
Therese B.
