Der Grundstein zu unserer Algerientour wurde im Januar gelegt. Wir knüpften über Walter die ersten Kontakte mit Regula, mußten aber, da das Kontigent der Teilnehmerzahl schon erfüllt war, die Anmeldefrist noch abwarten. Anfang März kam die Zusage und die Vorfreude und Planung konnten beginnen. Beim Höck in Zürich Anfang September konnten sich die Teilnehmer beschnuppern, wobei einige sich von früheren Reisen her schon kannten. Auch Mohammed, unser Guide für die Reise, nahm an dem Treffen teil. Er stammt aus Djanet, lebt aber auch in der Schweiz und spricht ein charmantes Schwiezerdütsch. Hauptthema an diesem Abend war die Sicherheitslage, vor allem im Süden Algeriens nahe der Grenze zum Niger. Es steht eine Alternativroute zur Wahl, die weiter nördlich enden sollte, aber auch Höhepunkte wie Assekrem und Tamanrasset ausließ. Nach einer längeren Diskussion und mehreren Abstimmungen war die Mehrheit für die ursprünglich vorgeschlagene, längere Route.
Treffpunkt ist im Hafen von Genua. Da die Carthage, wie oft, verspätet ankommt, haben wir genug Zeit miteinander zu reden und die einzelnen Autos, vor allem unter der Motorhaube, zu inspizieren. Die Überfahrt war angenehm, das Sahara-Team verwöhnt uns mit gutem Wein zum Bordessen. Nachdem die Fähre einigermaßen pünktlich ist und die Zollformalitäten zügig erledigt sind, kommen wir noch ein gutes Stück Richtung Algerien , sodaß wir am nächsten Mittag die Grenze passieren können. Auch hier scheint die Schweinegrippe-Hysterie zu herrschen. Ehe wir zur Paß- und Zollkontrolle kommen, wird uns mittels Wärmebildkamera Fieber gemessen. Alle sind gesund, nur bei den jungen Damen wird die Untersuchung gründlicher vorgenommen. Mohammed und sein Begleiter Abdu warten schon mit ihrem Nissan auf uns und wir machen uns auf den Weg, die 1.500 Kilometer auf der Teerstrasse über El Oued, Touggourt, Hassi Messaoud, Hassi Bel Guebbour, In Amenas und Illizi hinter uns zu bringen und endlich "off-road" zu fahren . Nicht nur die vielen Polizeikontrollen halten auf, in Illizi wird Heiners Kamera aus dem Auto gestohlen, was eine endlose Prozedur bei der Polizei nach sich zieht, sodaß wir es nur bis kurz hinter Illizi zum Nachtquartier schaffen. Dort lädt Gitti anläßlich ihres Geburtstags noch zum Apéritif mit Rotwein und Schnittchen ein.
Bei der Abfahrt vom Plateau Fadnoun, immerhin bis zu 1530m hoch, ist bei Urs die Bremsleitung defekt geworden. Zum Glück kann er sie fachmännisch und schnell reparieren.Endlich ab von der Teerstrasse auf eine Piste, die sich steil in das Wadi Aharhar hinab windet. Das Wadi ist dicht bewachsen, mit Palmen, Tamarisken, Akazien und Oleander. Ab und zu sieht man einige Hütten, aus denen die Leute neugierig auf uns zu laufen, aber auch viele verlassene Behausungen. Das Tal wird breiter und sandiger, es öffnet sich zur Afara-Ebene. Vor dem tiefblauen Himmel heben sich die dunkelbraunen, bizarren Felsgebilde besonders gut ab und kontrastieren mit dem hellen Sand, der teilweise weit an den Abhängen hochgeweht ist. Die Ebene ist, durch die starken Regenfälle der letzten Monate, ein riesiger See, in dem sich die Berge spiegeln, schier unerschöpliche Motive für unsere Fotografen. Wir erzählen Mohammed von einer Höhle mit Felsmalereien, die wir auf unserer Reise 2002 besucht haben, er versichert, sie zu kennen, führt uns aber über einen weiten Umweg über Stock und Stein zu einer anderen Höhle hoch oben am Felsen, in der sich auch Abbildungen von Rindern und schöne Jagdszenen befinden.
Wir verlassen die Felslandschaft, überqueren eine breite Ebene mit vielen Reifenspuren und kommen zu den Dünen des Erg Tihodaine,die sich auf den ersten Blick riesig und unüberwindlich auftürmen. Chrigi, der jetzt vorausfährt, findet immer eine Möglichkeit, uns gut über die Dünenkämme zu bringen. Es gelingt zwar nicht jedes Mal auf Anhieb, aber mit gemeinsamen Schaufeln und Ziehen schaffen es dann alle. Es ist für uns interessant zu sehen, wie in den letzten sieben Jahren die Wüste grüner geworden ist. Der Erg Tihodaine, der damals eine reine Sandwüste war, ist inzwischen mit dicken Grasbüscheln bewachsen und die Dünentäler mit einem hellgrünen Flaum aus dünnen Grashalmen überzogen. Dies lockt natürlich auch die Tiere an, was bei Mohammed die Jagdinstinkte weckt. Er hetzt mit dem Auto eine Gazelle so lange, bis sie zusammenbricht und Abdu sie schächten und küchenfertig verarbeiten kann. Die meisten von uns reagieren sauer auf Mohammeds Jagdeskapaden, aber das sind wohl die Instinkte der Nomaden, die bei ihm zum Vorschein kommen.
Der Erg Tihodaine liegt nun hinter uns. Wir sind wieder in einer kiesbedeckten Ebene und pumpen die Reifen auf, da es nun zügiger vorwärtsgeht. Aber erst machen wir noch einen Fotostopp an eigenartig geformten Felsen, bei denen man sich mit etwas Phantasie von
Menschen modellierte moderne Skulpturen vorstellen kann. In der Ferne erkennt man schon schwarze Berge, wir folgen einer breiten LKW-Spur und sind bald an unserem Etappenziel, den Salinen von Tissemt. Jack hat heute Geburtstag und lädt zum Apéritif. Es gibt Weißwein, Campari mit Orangensaft und Knabbergebäck. Nach dem Abendessen serviert Mohammed noch eine Kostprobe der gebratenen Gazelle. Die Gegend ist bekannt für viele Krater, auch wenn manche auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen sind, da die Kratermitte einen Durchmesser von mehreren Kilometern hat und sich darin kleine Dünenzüge gebildet haben. Bei den Kratern mit einem kleineren Durchmesser fahren wir über eine pechschwarze Kiesfläche hoch zum Kraterrand und blicken hinab in den Kratermittelpunkt, wo wir uns eine Oase mit einem See und Palmen vorstellen. Es sind aber nur einige vertrocknete Büsche zu sehen. Südlich von den Kratern erstreckt sich die weite Amadror-Ebene, benannt nach dem Wadi Amadror, dem Hauptwadi, der von vielen Wadis durchzogenen Ebene. Die Wadis sind trocken, auch der mit einem Windrad betriebene Brunnen, den wir ansteuern, enthält nur abgestandenes, salziges Wasser. Und trotzdem sind die Flußläufe mehr oder weniger begrünt, es wachsen hier sogar mächtige Akazien. Mohammed, der immer Ausschau nach geeignetem Feuerholz hält, steuert auf einen dicken, umgefallenen Akazienstamm zu und gemeinsam wird dieser zersägt und auf die einzelnen Autos verteilt. Wir treffen auf eine Gruppe von Wildeseln, die uns neugierig beäugen und finden das ausgebleichte Gerippe eines Kamels, bei dem
eigenartigerweise die pelzigen Hufe noch voll erhalten sind. Wir sind jetzt wieder zwischen schwarzen Bergen bestehend aus großen, runden Steinen, die Piste führt bis auf 1.430 m. Vom Plateau aus kann man die schönen, terracottafarbenen Häuser von Ideles erkennen. Wir umfahren den Ort aber großräumig, um langwierigen Polizeikontrollen aus dem Weg zu gehen. Wir befinden uns jetzt auf einer Hauptverbindung in Ost-West-Richtung, einer schlechten, staubigen Piste. Aber auch hier gibt es, für die Vorbeifahrenden nicht gleich zu erkennen, zahlreiche Gravuren an der Rückseite von runden Felsen, Zeugnisse, daß auch diese Gegend vor Jahrtausenden fruchtbar und besiedelt war.
In Hirhafok beginnt der Hoggar-Nationalpark. Das Büro, wo der Eintrittspreis von umgerechnet einem Euro bezahlt wird, ist in runden, schön geflochtenen Strohhütten untergebracht. Bis Mohammed die Formalitäten erledigt hat, vertreiben wir uns die Zeit mit Fotografieren und Plausch mit den Einheimischen. In Hirhafok zweigt die Piste ab, die zum Assekrem führt. Sie ist in einem katastrophalen Zustand, steinig und ausgewaschen, wir kommen nur langsam voran. Diese Berglandschaft vulkanischen Ursprungs besteht aus dunkelbraunem Fels, kahl und trocken und doch haben sich zwischen den dunklen Steinen Pflanzenbüschel eingenistet, mit leuchtend roten oder gelben Blüten. Plötzlich streikt Mohammeds Auto, der Verteiler macht Probleme. Für Abdu aber kein Problem, die Ärmel der stets wie frisch aus dem Laden geholten Djellaba werden hochgekrempelt und mit einfachen Hilfsmitteln und in aller Ruhe der Schaden behoben. Wir klettern noch bis auf 2.575 m Höhe zum Refuge, einem Gästehaus und Camping unterhalb der Eremitage von Père Foucauld. Diese Eremitage, ein bescheidenes Steinhaus mit Kapelle und kleinem Museum liegt auf knapp 2.800 m Höhe und wir lassen es uns nicht nehmen, sowohl zum Sonnenuntergang wie auch zum Sonnenaufgang den schmalen, steilen Pfad hochzusteigen, um dieses unvergeßliche Schauspiel zu erleben. Hier oben "am Ende der Welt", wie Assekrem in der Tuareg-Sprache heißt, umgeben von wilden, zerklüfteten Bergketten, fühlt man sich ganz andächtig und klein. Morgens hat es nur 6°
und es ist sehr windig. Da sind wir froh, von einem der zwei dort lebenden Patres heißen Tee angeboten zu bekommen, dazu erhalten wir noch interessante Informationen über das Klima, die Wasserversorgung und die Pflanzenwelt hier oben. Vom Refuge fahren wir direkt auf die westliche Piste, die anfänglich auch in einem fürchterlichen Zustand, aber landschaftlich schöner und abwechslungsreicher als die östliche ist. Herausragender Berg ist der Ilamane, Heiliger Berg der Tuareg, ein riesiger Felskegel, herausgeschält aus dem weicheren Gestein. Interessant sind aber auch die Basaltberge, die Bauwerken von Gaudi gleichen, oder aus Steinstäben kunstvoll aufgeschichtete Hügel. Weiter durch akazienbestandene Wadis, an kleinen Ortschaften vorbei, kommen wir auf die geteerte Verbindungsstraße Flughafen - Tamanrasset. In Tamanrasset halten wir uns nicht lange auf, Tanken, Einkaufen und die Formalitäten bei der Polizei, die hier eine persönliche Gesichtskontrolle verlangen. Wir sind etwas enttäuscht von Tam, vor sieben Jahren erschien uns der Ort lebendiger, bunter und mit mehr Läden und kleinen Lokalen.
Wir verlassen Tamanrasset in südöstlicher Richtung, vorbei am Berg Adjelella. Auch hier wieder wunderschöne Landschaften, breite Wadis mit Akazien und Tamarisken, runde
Felsen, wie hingestreut in den gelben Sand. Abdu führt uns zu einer Stelle, Saser genannt, wo er, mit einer Blechdose schaufelnd, nur zwanzig Zentimeter unter der Sandoberfläche, Wasser zutage fördert. Ein paar Meter neben dieser Stelle beginnt ein kleines Wadi, wo ein Rinnsal zwischen üppig grüner Vegetation mit Palmen, Schilf und Euphorbien, fließt. Wir befinden uns im Tassili du Hoggar, Teil des Hoggar Nationalparks, der sich bis zur Grenze zum Niger erstreckt. Das ganze Gebiet ist eine Erosionslandschaft, die durch Temperaturschwankungen, Wind und Wasser in Jahrmillionen gestaltet wurde und eine Mischung aus sedimentärem Gestein und Sand- und Kiesebenen, durchzogen von breiten Wadis, bildet. Bei El Ghessur, unserem südlichsten Punkt, nur 150 km von der Grenze zum Niger entfernt, hat die Natur ein Felsentor, gleich einem riesigen Schlüsselloch, geformt. Die Fotopause wird ausgedehnt, Martins Tank leckt und muß provisorisch abgedichtet werden, wobei Abdus Wunderkleber aus zerstossenen Datteln, Seifenstückchen und zerriebenen Stofffetzen sich als nicht sehr wirkungsvoll erweist. Wir queren das Oued Tin-Tarabine, folgen ein Stück dem Oued Tadant, um dann in die "Traumlandschaft" einzutauchen, ein kleines Gebiet mit
einer Vielzahl von Felsen, geformt zu skurrilen Skulpturen, wuchtigen Bögen und schattigen Grotten, ein Paradies für unsere Fotografen. Weiter Richtung Osten folgen wir den Spuren in den Wadis Tadant, Takalous, Honadj und Tafassasset. Es muß kurz vorher stark geregnet haben, das Wadi ist zum Fluß geworden und wir suchen geeignete Furten, um nicht im Morast stecken zu bleiben.
In der Ferne leuchtet schon der Erg Admer, gleich einem zu Sand erstarrtem Meer. Jetzt gibt es für unsere Dünenliebhaber kein Halten mehr. Auch hier hat der Regen seine Spuren hinterlassen, die Dünen sind teilweise dunkel gefärbt und die Reifenprofile drücken sich tief in den feuchten Sand.
Kurz vor Djanet besuchen wir die "weinenden Kühe", große, schön ausgebildete Felsgravuren von 3 Kuhköpfen mit Kullertränen. Originellerweise hat sich vor dem Felsen, bedingt durch den Regen, eine Pfütze gebildet, so als wären die Tränen seit langem hineingetropft. Nach einer Legende weinen die Kühe, da ihr Land unfruchtbar geworden ist. Wir machen nur einen kurzen Abstecher nach Djanet zum Essen, Einkaufen, Tanken und Autowaschen und fahren gleich wieder weiter zu unserem nächsten Ziel, dem Tadrart, eine Landschaft, die sich südlich und südöstlich an den Tassili n'Ajjer anschließt. Auch dieses Gebiet ist eine pittoreske Mischung aus interessant geformten Felsen und von gelb bis rot gefärbtem Sand. Wir
folgen den sich schlangenförmig zwischen den Bergen windenden Wadis und machen immer wieder Halt, um schöne Felsmalereien von Giraffen, Elefanten oder Rindern zu betrachten oder bizarr geformte Felsen, wie Bögen, Tore, Schlüssellöcher, Pilze oder Ekanesey, den Igel, zu fotografieren. Wir begegnen einigen Touristengruppen, die zu Fuß unterwegs sind, eine umweltfreundliche, aber anstrengende Art, die Gegend zu erkunden. Mohammed hält wie immer Ausschau nach Brennholz. Der dicke Stamm, den er findet und der sich nur mühsam durchsägen läßt, wird kurzerhand mit einem Seil an Jacks Auto gebunden und er zieht ihn wie einen Schlitten hinterher. Hier in dieser Gegend nahe der libyschen Grenze finden wir auch eine Vielzahl prähistorischer Artefakte, wie Reibschalen, Reibesteine, Tonscherben, aber wir müssen die Sammelwut, die uns alle erfasst, zügeln, da es streng verboten ist, derlei Funde aus Algerien rauszuschmuggeln. Wir treffen auf ein algerisches Fernsehteam, das mit zwei Autos unterwegs ist, Mohammed interviewt und unsere Autos filmt, vielleicht hat uns das algerischen Fernsehen im Abendprogramm gebracht. Am Rande des Tin-Merzouga, einem großen Dünengebiet mit orangerotem Sand, kehren wir um und fahren wieder nach Süden, um nicht zu nahe an die, weiter nördlich verlaufende, libysche Grenze zu gelangen, was für die Schweizer nicht so ratsam wäre.
Auch auf der Rückfahrt legen Mohammed und Abdu ihren ganzen Ehrgeiz darein, uns jede Felsmalerei und Gravur zu zeigen, auch wenn es uns schon langsam zu viel wird. Heute hat Markus Geburtstag und lädt zu Apéritif mit Campari und verschiedenen einheimischen Fruchtsäften und leckeren Knabbereien ein. Im Anschluß kocht Ernst für die ganze Gruppe Nudeln und Kartoffeln in einer Käsesahnesauce, ein Schweizer Bergbauerngericht. Zurück in Djanet steht der Tag zur freien Verfügung, ein Teil der Gruppe macht einen Ausflug in die Berge zu einer Guelta, wir ziehen das "Stadtleben" vor, gehen einkaufen und beobachten von einem Café aus das Treiben auf der Straße. Djanet hat in den letzten sieben Jahren einen positiven Wandel erfahren, es ist gepflegter geworden, das Angebot an Lebensmittel ist viel besser, das Restaurant und das Café an der Hauptstrasse sind sauber und einladend. Mohammed, der von hier stammt, lädt uns zu einem typischen, sehr guten Touareg Abendessen zu sich nach Hause ein und zeigt uns am nächsten Morgen den schönen Garten seiner Eltern, mit vielen Orangen-, Mandarinen- und Zitronenbäumen und kleinen Feldern, auf denen, dank guter Bewässerung, Hirse und Weizen gedeihen. Ehe die Fahrt weiter geht, ist an Mohammeds doch etwas altersschwachem Nissan die Reserveradaufhängung zu reparieren. Das war auch gut, sein Übergang über die Berge entpuppt sich als schauerliche Piste mit dicken Steinen, über die wir nur im Schritttempo klettern können. Nachdem wir die Rumpelei hinter uns gebracht haben, kommt von Andy die Schreckensnachricht, seine Batterie sei explodiert. Zum Glück ist es nicht die Starterbatterie, er kann noch weiterfahren, aber mit reduzierter Leistung und einer schwarzen Wolke aus dem Auspuff . Bei einer genaueren Kontrolle am Abend stellt sich heraus - ein Unglück kommt selten allein - daß auch der Schlauch vom Intercooler abgegangen ist und er deshalb keine Leistung hatte. Das Oued Essendilene, unsere nächste Station, liegt ca 60 km westlich von Djanet und ist entweder über die Teerstraße oder, wie wir es machen, durch ein schönes, sandiges Wadi, eingesäumt von interessanten Felsformationen, zu erreichen. Wir schrecken eine Herde von 7 Kamelen auf, die ein Stück mit uns mitläuft.
Das zuerst weite Tal verengt sich zu einer Schlucht, die nur zu Fuß zu begehen ist. Die Vegetation ist üppig, Palmen, Akazien, Tamarisken und Oleanderbüsche machen ein Durchkommen schwer. Am Ende des Tals, das von hohen Felsen versperrt ist, haben sich tiefe Gueltas gebildet, das Wasser ist aber durch den vorangegangenen Regen ganz trüb, es lockt nicht zum Baden. Auf der Weiterfahrt machen wir noch einen Abstecher zu Abdus Familie ins Wadi Tananet, er bringt ihnen Lebensmittel vorbei, denn außer ihrer Ziegenherde haben sie nichts zum Leben.
Wir müssen uns vom Dünen- und Pistenfahren verabschieden, es liegen 2.200 Kilometer bis Tunis vor uns, die wir möglichst schnell auf der Teerstraße hinter uns bringen wollen. Allerdings scheint der Süden beim Straßenbau ein Stiefkind zu sein, der Belag hat tiefe Löcher, die nicht immer zu umfahren sind und wir verlieren bei der Schüttelei unseren Petroleumtank, zum Glück haben Maya und Walter, die hinter uns fahren, ihn gefunden und mitgebracht. Wir machen noch einen Abstecher zu den Gueltas von Assar und ins Tal von Dider mit den einzigartigen Felsgravuren von Tinterhert. In einen riesigen,
waagrecht liegenden dunklen Felsblock sind unzählige Tiermotive eingraviert, wie zum Beispiel die metergroße "lockige Kuh" oder die"schlafende Antilope", aber auch Darstellungen von Menschen, wie zum Beispiel die Tanzenden, bei denen allerdings, vielleicht in der islamischen Zeit, die Gesichter blankgeschliffen wurden. In Illizi nehmen wir Abschied von Mohammed und Abdu, sie fahren weiter bis Tamanrasset und unser neuer Guide, Mohammed, fährt bei Andy im Auto mit. Wir passieren In Amenas über einen Schleichweg, um der Polizeikontrolle zu entgehen und blicken hinter Ohanet von der Abbruchkante zurück nach Süden in die unendliche Weite des Tassili. Wir kommen gut voran, die Kontrollen sind schneller erledigt, vielleicht weil wir auf dem Rückweg sind. Hundert Kilometer hinter Hassi Bel Guebbour funkt Chrigi, er hätte ein eigenartiges Geräusch am Hinterrad. Nachdem die Kardanwelle ausgebaut war, ist das Geräusch immer noch da. Wir verstecken uns hinter einem Dünenzug, uneinsehbar von der Straße. Eine provisorische Werkstatt wird eingerichtet und, da inzwischen stockdunkel, gut ausgeleuchtet. Urs und seine fleißigen Helfer, umringt vom Rest der Truppe, finden schnell die Ursache: eine lose Schraube im Differential. Um halb zehn, nach getaner Arbeit, wird mit einem Tee-Umtrunk gefeiert und alle sind froh, daß der Schaden behoben ist und wir die Rückreise fortsetzen können. An der Grenze verläßt uns Mohammed und nachdem alle Formalitäten in weniger als drei Stunden erledigt sind, teilen wir ins in zwei Gruppen. Ein
Teil fährt gemütlicher durchs Land, der andere Teil will noch bis Enfhida ans Meer. Wir sind bei der zweiten Gruppe, kommen in die Dunkelheit und bleiben, auf dem Weg zum Strand, im radtiefen Schlick stecken. Nach mühsamen, stundenlangem Bergen kommen wir doch noch ans Meer und können den nächsten Morgen mit einem ausgiebigen Bad beginnen. Den letzten Abend verbringen wir im Hotel Vinci Llela Baya in Hammamet, das, sehr malerisch, wie eine orientalische Kasbah gebaut ist. Wir geniessen das reichhaltige Essen vom Buffet und die anschließenden Drinks in der Bar. Bei der ruhigen Überfahrt von Tunis nach Genua sitzen wir viel zusammen und lassen die vergangenen vier Wochen noch einmal Revue passieren. Es war eine rundum schöne Reise voller interessanter Eindrücke und Erlebnisse in einer herzlichen, kameradschaftlichen Athmosphäre, die wir immer in guter Erinnerung haben werden.
Gitti
